Regionalgruppe Vogtland

Den Wildbienen ein Zuhause geben

Sie werden es uns danken...

Eine Wildbienen-Nisthilfe mit verschiedenen Nistangeboten steht in einer Wiese Wildbienennisthilfe  (© Andreas Röhr)

Mancher glaubt vielleicht, Wildbienen seien verwilderte Honigbienen. In Wirklichkeit sind sie genau das nicht, sondern eine große Insektenfamilie mit weltweit 30.000, in Deutschland 560 Arten. Sie können nur vier Millimeter klein, aber auch fast drei Zentimeter groß, bepelzt oder kahl, bunt oder schwarz sein. Auch die Hummeln gehören dazu. Die meisten Wildbienen (außer den Hummeln) leben als Einsiedler. Sie sind friedlich. Selbst wenn sie in großer Bedrängnis doch mal von ihrem Stachel Gebrauch machen, können sie dem Menschen kaum etwas anhaben.
Meist versorgen die Weibchen ihre Brut selbst, es gibt aber auch Kuckucksbienen, die Vorräte in fremden Gelegen okkupieren.
Wildbienen leben nicht lange - nur etwa vier bis sechs Wochen. Diese Zeit verbringen sie hauptsächlich damit, der Reihe nach mehrere Brutgelegenheiten zu suchen oder anzulegen und die einzeln darin abgelegten Eier mit Vorräten aus Nektar und vor allem Pollen zu versorgen, bevor sie die Bruthöhlen mit zerkauten Pflanzenteilen, Lehm, Sand, kleinen Steinchen oder Baumharz verschließen. Wenn sie damit fertig sind, müssen sie sterben. - Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich von den eingelagerten Vorräten ernähren, den Winter als Puppe überdauern und nach der Metamorphose als fertige Biene die Bruthöhle verlassen. Männchen sind dabei etwas schneller und lauern schon vor der Tür, während das Weibchen sich noch hindurchbeißt, um ihm als erster seine Aufwartung machen zu können. Danach beginnt alles von vorn.

Als Brutgelegenheit gilt, was hohl, trocken, warm und sicher ist, wobei die verschiedenen Arten durchaus wählerisch sind. Ein großer Teil gräbt Höhlen in lockere Erde oder offene Kiesbänke, andere nagen Pflanzenstängel aus, wieder andere suchen nach alten Fraßlöchern in Holz oder besiedeln Hohlräume in Mauern. Manche haben sich sogar auf Schneckenhäuser spezialisiert. Die Kinderstuben müssen eine passende Größe haben und dürfen die zarten Insektenflügel bei der Brutvorsorge nicht verletzen.

Das Problem: In unserer ordentlich geputzten und versiegelten Welt mangelt es zunehmend an derartigen Nistgelegenheiten. Es ist deshalb eine gute Idee, diesem Notstand durch Nisthilfen - ähnlich wie in der Vogelwelt - abzuhelfen.
Auch wir tun das. Wir werden mit dem Preisgeld eines Umweltwettbewerbes, ausgerufen durch die Sparkasse Vogtland, eine Kleinserie selbst entworfener Nisthilfen anfertigen und an interessierte Kindergärten oder Schulen, die einen Schulgarten oder eine Blühwiese besitzen, abgeben. Ein Prototyp (Bild oben) steht schon im Pfaffengut Plauen und kann dort besichtigt werden.

Kein Wohnviertel ohne Supermarkt!

Warum eine Nisthilfe ohne Nahrungsangebot sinnlos ist

Eine bunte Wiese mit vielen blühenden Wildblumen Reich blühende Wildblumenwiese  (© Andreas Röhr)

Nisthilfen, Blühstreifen, Pestizide... Weshalb wird neuerdings um die Wildbienen so ein Bohei gemacht? - Die Antwort ist einfach: Man hat erkannt, dass wir ohne sie nicht überleben würden.

Die eigennützige Pollensammelwut der Wildbienen garantiert die Bestäubung und damit den Fortbestand der Flora auf der Erde. Es sind nämlich nicht nur die Honigbienen, die diese Funktion erfüllen. Wildbienen fliegen auch zu Zeiten, zu denen Honigbienen keine Lust haben. Zudem werden auch Blüten angeflogen, die wenig Nektar liefern, denn Wildbienen verproviantieren ihre Brut hauptsächlich mit Pollen; den Nektar benötigen sie eher als Treibstoff für sich selber.
Wissen muss man aber, dass manche Wildbienenart nur auf spezielle Pflanzen fliegt. Verschwinden diese aus ihrer Umwelt, geht der Nachwuchs ein. Andererseits gibt es Blüten, die sich nur speziellen Bestäubern öffnen und andere abblitzen lassen. Es ist kompliziert - wie in allen Beziehungen.

Also brauchen wir artenreiche und über die gesamte Flugzeit der Insekten hinweg blühende Pflanzengesellschaften und ein möglichst großes Spektrum bestäubender Wildbienenarten, die zudem alle eine geeignete Nistmöglichkeit in der Nähe ihrer Futterweide vorfinden sollen. Der Flugradius der Wildbienen beträgt nur wenige hundert Meter. Was weiter weg wächst, nützt ihnen nichts. Auch unsere tollen Gartenblumen sehen zwar schön aus, ihnen wurden aber oft die natürlichen Merkmale der Fortpflanzung weggezüchtet, so dass sie bei Wildbienen auf wenig Interesse stoßen. Eine "verunkrautete, ungepflegte" Fläche mit einem reichen Sortiment einheimischer Blühstauden hat in dieser Beziehung einen viel größeren Wert. Hier gelten ähnliche Kriterien und Pflegehinweise wie bei Schmetterlingswiesen.

Summa summarum: Eine Wildbienen-Nisthilfe allein bringt gar nichts, wenn nicht auch die passenden Biotope in der Nähe sind - und das gilt für die große Landwirtschaft genauso wie für den Schrebergarten oder das kleine Balkonien. Nur über diesen Weg kann die überlebenswichtige Symbiose von Mensch, Blume und Biene gelingen. Summa summsumm.

 

Faszinierend

Eine Mauerbiene besucht ihr Nest in der Röhre eines Dachziegels Mauerbiene beim Nestbau  (© Andreas Röhr)

Eine Mauerbiene nimmt die Hohlkammer eines Strangfalzziegels (Download Informationsblatt) als Niströhre in Besitz. Die Nachbarwohnung ist bereits belegt und winterfest verschlossen.

Literatur

Wildbienen-Nisthilfen müssen bestimmten Kriterien genügen, um überhaupt sinnvoll und nützlich zu sein. Viele preiswerte Baumarktprodukte taugen dazu nicht.

Hier eine kleine Auswahl praktischer Bauanleitungen:

  • Der BUND bietet zum Einstieg eine kleine Broschüre zum Download an.
  • Die BUND-Kreisgruppe Rotenburg hat ein sehr ansprechendes Heftchen entworfen, welches man zum symbolischen Preis von 1,50 € hier bestellen kann.
  • Werner David, ein ausgemachter Experte, geht mit seinem Buch ins Detail und wird sogar Balkongärtner damit begeistern.

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