Schmetterlingswiesen am Seehaus in Plauen - eine Chronologie

Lageplan der Schmetterlingswiesen am Seehaus in Plauen Anfangsplanung für die Schmetterlingswiesen in Plauen/Seehaus, Stand 2017  (© Stadt Plauen, Andreas Röhr)

Der Anfang - Frühjahr 2017

Wir wollten mit Unterstützung der Stadt Plauen zwei Brachflächen im Garagenkomplex am Seehaus zu Schmetterlingswiesen entwickeln. Das Jahr verging mit Verhandlungen über einen entsprechenden Vertrag. Dann war es soweit: 2018 konnte die Arbeit beginnen.
Das Vorhaben reiht sich in das sachsenweite Projekt iNUVERSUMM ein und soll die dort beschriebene Behandlung - vor allem eine schmetterlingsfreundliche Mahd -  erfahren. Die Stadt Plauen hatte die Flächen bereits nach diesen Empfehlungen gemäht. Man kann schon jetzt erkennen, dass eine Schmetterlingwiese nicht dem "Ideal" des Englischen Rasens entspricht und dem auch nicht entsprechen darf: Die Gräser und Stauden müssen aufwachsen und blühen können. Deswegen darf nicht zu zeitig gemäht werden. Ein Teil des Aufwuchses muss stehen bleiben und dient den Schmetterlingen in ihren jeweiligen Entwicklungsstadien als Winterquartier. Manche vom Kleingärtner gehassten Pflanzen (zum Beispiel Disteln und Brennesseln) sind hier willkommen, dienen sie doch als Nahrungspflanze für zahlreiche Insektenarten.Das Bundesamt für Naturschutz hat eine Hitliste der bei den Schmetterlingen beliebtesten Pflanzenarten veröffentlicht. Spitzenreiter ist hier die auch auf unserer Schmetterlingswiese wachsende Weide. Sie ist potentielle Nektar- oder Raupenfutter-Pflanze für sage und schreibe 227 Schmetterlingsarten! Der vielgerühmte Bienenfreund (Phacelia) hat dagegen nur einen einzigen Schmetterlingsliebhaber und landet damit abgeschlagen auf Platz 1008 der Tabelle. - Wer hätte das gedacht?

Wir werden an dieser Stelle über die weitere Entwicklung der Wiese und ihre hoffentlich bald vielfältige Bewohnerschar berichten.

Herbst 2017

Zwei Wiesen sind gemäht

Frühjahr 2018

Nach Müllberäumung im Umfeld kann die Wiese nun zuwachsen. Bläulinge und Distelfalter flattern bereits umher und finden Nahrung.

Spätsommer 2018

Verschiedene Kleesorten sind aufgewachsen und spenden nicht nur Schmetterlingen, sondern auch Bienen und Hummeln Nektar. Eine weitere Garagenzeile musste weichen. Die vergrößerte Fläche und auch die zweite Wiese wurden durch die Stadtverwaltung mit Granitblöcken eingefriedet.
Zahlreiche Schachbrettfalter - der Schmetterling des Jahres 2019 - besuchen vor allem die Rotkleeblüten.

Frühling 2019

Es geht ins dritte Jahr ...

Wieder haben Umweltflegel das Gelände mit Unrat verschandelt. Wir räumen auf.
Blühpflanzen haben es nicht leicht auf dem Standort und sollen durch einen aufgegrubberten Streifen gefördert werden. Ob es klappt? Das Einbringen einer Saatmischung für Schmetterlingswiesen hat bisher jedenfalls noch keinen Erfolg gezeigt. Überhaupt machten sich Schmetterlinge bis hin zum Sommeranfang recht rar - nur die dieses Jahr wieder starke Invasion der Distelfalter war auch hier zu spüren.

August 2019

Es ist Hochsommer. Die Wiese muss gemäht werden. Das geschieht - wie immer - mit Vorsicht. Die Insekten sollen möglichst nicht geschnetzelt werden, deshalb kommt ein Balkenmäher zum Einsatz. Natürlich bleibt auch wieder ein Teil des Krautes stehen. So können sich die Tiere nach dem Verlust ihrer Lieblingspflanze in eine Parzelle nebenan retten. Wie wichtig das ist, sieht man, wenn man näher herantritt. Überall summt und krabbelt es - auch wenn 2019 wohl kein besonders gutes Schmetterlingsjahr war.

Einige Tage später streift Luisa Lippmann, eine Dresdener Biologiestudentin aus Plauen, durch das Gelände und nimmt einige der typischen Pflanzen auf.

Juli 2020

Das Sommerwetter der letzten Tage mit seinen Regenschauern hat die Wiese zum Erblühen gebracht und einige Schmetterlinge angelockt. Ein kleiner Streifzug.

September 2020

Die jährliche Mahd wurde notwendig. Nur vier ältere Herrschaften nahmen es auf sich, bei spätsommerlicher Hitze die Balkenmäher über das unebene und mit unliebsamen Überraschungen  (z. B. aus dem Boden ragenden Baustahl) gespickte Gelände zu führen. Wegen dieser Rasenmähertöter wurde die ISP Plauen alarmiert. Kurz darauf tauchten zwei MitarbeiterInnen  auf  und flexten in nullkommanix die Baustähle weg.
Ganz herzlichen Dank für die schnelle Reaktion!

Trotz Dürre und fragwürdigem Untergrund waren die wilden Pappeln und Birken auch in diesem Jahr üppig gesprossen und mussten ausgeschnitten werden. Der daraus resultierende Reisighaufen erreicht beachtliche Ausmaße!
Nach fünf Stunden waren die Akteure geschafft - und hatten doch nicht alles geschafft. Ein weiterer Einsatz wird nötig sein. Aber immerhin: Es ist was zu sehen.
Und die Schmetterlinge? Ein Kohlweißling und ein Bläuling flatterten über die Wiese. Ob sie wissen, wie wir für sie schwitzten?

April 2022

Die Fläche an den Seehausgaragen ist nicht wiederzuerkennen: Großräumige Abbrucharbeiten haben begonnen.

Bei frischer April-Luft mit eingelagerten Schauern beteiligten wir uns am Plauener Frühjahrsputz und sammelten Müll ein. Außerdem wurden zahlreiche Birken- und Weidenschößlinge entfernt, um einem Verbuschen der Schmetterlingswiesen vorzubeugen. Einige größere Gehölzgruppen, vor allem Weiden, dürfen stehenbleiben. Dort sind auch schon die Kätzchen erblüht, welche den ersten Nektar für hungrige Insekten anbieten.

Seit heute informiert auch eine Hinweistafel interessierte Spaziergänger darüber, was es mit diesen "unordentlichen" Wiesen auf sich hat. Eine weitere Tafel soll demnächst an der zweiten Fläche aufgestellt werden.

August 2023

Die im vorigen Jahr abgeräumten Garagen und die Auffüllung des Geländes mit Bodenaushub von der Sporthallen-Baustelle des Plauener Lessing-Gymnasiums haben eine Ruderalfläche ergeben, die gern von Wildblumen besiedelt wird. Hier hat der Mensch tüchtig mitgeholfen, ein verlockendes Angebot für Schmetterlinge und Wildbienen zu schaffen. Wenn das nicht nur die Insekten, sondern auch manche Menschen mehr wertzuschätzen wüssten, wäre uns allen geholfen.

April 2025

Die Vegetation ruht noch vom Winter aus. Doch schon sonnt sich ein erster Schmetterling auf dem warmen Blech eines Garagentores. Es ist wieder Zeit für den jährlichen Frühjahrsputz. Eine große Schar fleißiger Helferinnen und Helfer - vom Hosenmatz bis zum Opa - sammelt einen großen Haufen Unrat zusammen. Von Traktor- und Autoreifen über diverses Mobiliar bis zum Rasenmäher ist alles dabei. Kein Bauschutt, sondern mit Wohlbedacht aufgehäuft ist eine Pyramide aus Kugeldiabas. Dieses interessante Gestein stammt vom Gelände der neu errichteten Sporthalle am Lessinggymnasium und soll Eidechsen und Blindschleichen als Wärmeplatz sowie diversem Kleingetier als Unterschlupf dienen.

Juli 2025

Noch vor der diesjährigen Mahd fand Ende Juli eine kleine botanische Exkursion statt. Wie ist der Zustand des Geländes? Was wächst, blüht, flattert und krabbelt dort jetzt alles?
Ein besonderes Augenmerk wurde auf das Aufkommen gebietsfremder, möglicherweise invasiver Pflanzenarten gelegt. Darauf hat uns eine aufmerksame Spaziergängerin hingewiesen, die das massenhafte Auftreten des Einjährigen Berufkrautes als Problem beschrieb.
Der größte Teil der jetzigen Fläche besteht aus aufgeschüttetem Rohboden, der von der Baustelle des „Sportforum Vogtland“ stammt. Da sich dort eine Kleingartenanlage befand, war zu erwarten, dass der Boden mit allerlei Samen gebietsfremder Pflanzen durchsetzt ist. Ohnehin wird eine solche Brache zuerst von Pionierpflanzen besiedelt, worunter sich immer auch zahlreiche Neophyten befinden.
Nun stehen wir vor der Frage: Soll das Gelände gezielt zu einer Naturschutzfläche entwickelt werden? Wenn ja – zu welchem Typ? Und wer soll das leisten?
Oder lassen wir eine natürliche Sukzession zu und achten vor allem auf das Aufkommen möglichst vieler Blühpflanzen, auf eine insektengerechte Mahd und die Verhinderung einer Verbuschung?
Diese Diskussion ist noch im Gange.
Beim Rundgang wurden – wie leider überall - nur wenige Schmetterlingsarten festgestellt. Vor allem Weißlinge, einige Schachbrettfalter, „Schornsteinfeger“ und Bläulinge flatterten umher. Die Blüten – egal ob heimisch oder gebietsfremd – wurden allerdings von zahlreichen Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und anderen Insekten besucht. Und jede Menge Grashüpfer ergriffen vor den Schuhen des Fotografen die Flucht…
Insgesamt kann man wohl aus der bisherigen Entwicklung eine positive Bilanz für die Insektenwelt auf dieser Fläche ziehen.  

August 2025

Nunmehr ist die Wiesenpflege erfolgt. Etwa zwei Drittel der Fläche wurden gemäht und beräumt, ein Drittel des Bewuchses bleibt stehen. Dieser Flächenanteil dient den Insekten als Unterschlupf für den Winter. Außerdem wachsen dort zahlreiche junge Weidenbäume, deren Kätzchen die erste Insektennahrung des kommenden Frühlings bereithalten werden.
Auf der gegenüberliegenden Ruderalfläche sind viele der einheimischen Blumen bereits verblüht. Die Insekten finden jetzt noch Nahrung bei den spätblühenden Neophyten (Sommerflieder, Berufkraut, Mädchenauge). Insbesondere an der Kanadischen Goldrute tummeln sich verschiedene Wildbienenarten in hellen Scharen.

Trotz besten Flugwetters unter strahlend blauem Himmel mit warmen Temperaturen machten sich Schmetterlinge leider rar. Das mag zwar nur eine Momentaufnahme sein, liegt aber im Trend.
Denn dass trotz aller Bemühungen - wie z. B. mit unserer Schmetterlingswiese - der Artenschwund wohl nicht mehr aufzuhalten ist, zeigt das Ergebnis der jährlichen "Volkszählung für Schmetterlinge" in seiner neuesten Ausgabe.

Unausrottbar hingegen scheint die Zerstörungswut mancher Mitbürger zu sein, denn erneut wurden unsere Informationstafeln an der Schmetterlingswiese von Vandalen beschmiert. 
An dieser Stelle sei Albert Einstein zitiert:
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“