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Regionalgruppe Vogtland

Satirische Reflexionen

Zuweilen passieren Dinge, die mag man gar nicht glauben. Wir eifern daher Till Ulenspiegel nach und halten dem geneigten Publikum gleichnamiges Utensil vor die Nase, egal, ob es sich darin wiedererkennen mag oder nicht. Jeder darf sich hier auf Kosten anderer amüsieren. Solange, bis er selber dran ist. Dann gilt es, die Contenance zu wahren. Allfällige Beschwerden, Richtigstellungen oder gar Beifall nimmt die Redaktion gerne über unser Kontaktformular entgegen. Aussichtslos und rausgeschmissenes Geld jedoch ist das Verfassen von Abmahnungen mit strafbewehrten Unterlassungserklärungen. Lohnender ist es, Tucholsky zu studieren: "Was darf Satire? - Alles." Wer so etwas nicht mag, liest am besten gar nicht erst weiter.

Neue Geschichten von Herrn B.

Heute: Dolchstoßlegende 2.0

Zitat: 

Wie ein Angriff von außen

Der de facto beschlossene Kohleausstieg kann nur mit Verständnislosigkeit oder Entsetzen zur Kenntnis genommen werden. Wie kann ein Land nur derart selbstzerstörerisch die Lebensgrundlage seiner Bürger demontieren. Die Regierung geht dabei vor wie ein äußerer militärischer Angreifer. Um den feindlichen Staat in die Knie zu zwingen, werden als Erstes dessen Schlüsselindustrien zerstört. Mit dem absehbaren Ende der Autoherstellung ist diese Phase 1 fast abgeschlossen. Parallel dazu liegt die Energieversorgung unter Dauerbeschuss. Mit dem Ausstieg aus Kernkraft und Kohle ist auch diese Bastion unseres einstigen Wohlstandes nicht mehr zu halten. Phase 2 des Angriffs war somit auch erfolgreich. In Phase 3 des Feldzuges kommt die vollständige Abhängigkeit des besiegten Landes. In unserem Fall die von russischen Erdgaslieferungen, als einziger noch verbleibender, grundlastfähiger Energiequelle des ehemaligen Industrielandes. Bei Präsident Putin knallten sicher die Krimsektkorken. Einmalig in der Geschichte ist jedoch, dass diese Attacke nicht von außen kam. Der Bevölkerung, die die Milliardenbeträge aufbringen muss und mit explodierenden Strompreisen ausgepresst wird, muss man natürlich eine Alibigeschichte erzählen. Aber selbst die Menschen, die an das Märchen vom bösen CO2 glauben, dürfte wundern, dass beispielsweise China jedes Jahr ungefähr so viele neue Kohlekraftwerke baut, wie Deutschland insgesamt besitzt. In Indien und anderen Schwellenländern ist das nicht anders. Neue, fast fertige Kraftwerke dürfen nicht in Betrieb gehen, hochmoderne Anlagen werden verschrottet – eine größere Ressourcenverschwendung und Umweltbelastung ist kaum denkbar.

Dieter Blechschmidt, Plauen 

Ende des Zitates.

Anmerkung der Redaktion: Herr B. ist Ortsvorsteher von Straßberg und parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion im Plauener Stadtrat sowie Kreisrat des Vogtlandkreises. Auch für die Kommunalwahl 2019 geht er als CDU-Kandidat für beide Gremien ins Rennen. Vorstehende militärstrategische Analyse hat er in der „Freien Presse“ am 06.02.2019 veröffentlicht. Herr B. ist Diplom-Ingenieur für Energie- und Umwelttechnik und hat sich bereits 2012 im Nebenfach bleibende Verdienste als Wunderheiler im Kampf gegen die Geißel der Homosexualität erworben.

Hinz und Kunz

Hinz: Und, wie war der Urlaub?

Kunz: Ging scho. Scheene Gegend, aber de Leit …

Hinz: Wassn?

Kunz: Naja, weeßnich. Bauen ihre Achterbahnen aus Holz.

Hinz: Macht doch nix, wennse ordentlich fahrn...

Kunz: Und überall Müll. Alles voll. Und merken nüscht.

Hinz: Wie jetzt, merken nüscht?

Kunz: Also pass uff. De Leit wundern sich, dasse im Müll ersticken. Dann fragense Ihren Potzebberschten, was los ist – aber der sagt nix. Dabei brauchense doch bloß Zeitung lesen. Früher hammse ihrn Müll in so ne Sammelstelle geschafft und dort immer mal abgefackelt. Weg warer. Manche hamm sich uffgeregt wegen dem Gestank, aber de Potzebberschten hammse immer wieder beruhigt: Alles gut! Der Qualm is zwar schwarz, aber nich giftsch.
Trotzdem hatten de Leit irgendwann de Faxen dicke un hamm gesagt: Itze is Schluss!
Seitdem liegt der Müll halt rum.

Hinz: Und nu?

Kunz: Nuja. Woannersch in der Gegend hatten se so ne Chemiebude, die war pleite und is weggebaggert worn. Dummerweise hammse ooch de Esse mit weggemacht, die hättmer später vielleicht noch gebraucht. Aber ne scheene plane Fläche is itze dort. Und da soll nu wieder was druff.
Merkste was?

Hinz: Nee, wassn?

Kunz: Du merkst ooch nüscht. Also pass uff: Gleich bei der ehemaligen Chemiebude sollte eigentlich ä großes Naturschutzgebiet anfangen, wasse im Tal naufwärts eirichten wollten, weils dort eigentlich ooch ganz schee is. Un nu geht der Chef von der Stadt uff de Barrikaden, weil er sei Gewerbegebiet in Gefahr sieht, die scheene leere Fläche, weeßte? Laut sagen tut keener was, aber wennde eins und eins zammzählen kannst: Der viele Müll, die erschlossne Fläche – und dann glei um de Eck ä Naturschutzgebiet?

Hinz: Ahhh – daher weht der Wind. Und de Leit merken nüscht?

Kunz: Nee. Sag ich doch. Die merken nüscht.

Außerordentliche Vollversammlung unter Tage

- Ein Märchen -

Der König der Ratten rief sein Volk im Hauptsammler der Stadt Dresden zusammen. Als endlich alle beieinander waren, trat er ans Pult, und das aufgeregte Fiepsen und Rascheln des Publikums wich einer erwartungsvollen Stille. 

„Liebes Volk“, sprach der König mit ernster Miene. „Ihr wisst, welch tiefe Feindschaft uns mit der über uns wohnenden Plage verbindet. Nachdem die Sappen…“
Hier brach leichte Unruhe aus. (Für Unkundige: Seit jeher wurde der Homo Sapiens von den Ratten nur verächtlich „Sappe“ genannt.)
„Nachdem also die Sappen vor einiger Zeit auf der Erde erschienen waren und unsere per Beulenpest eingeleitete Säuberungsaktion leider fehlschlug, vermehren sie sich nun wie die Karnickel, fressen alles kahl und verrichten ihre Notdurft in unsere Behausungen.“ Tausendfaches Murren. „Wo es nur geht, versuchen sie uns zu vergiften oder zu erschlagen. Sie stellen uns Fallen oder hetzen  wilde Tiere auf uns.“ Allgemeines Seufzen und vereinzelte Buh-Rufe.

„Doch nun, vollkommen überraschend, bietet sich die einmalige Gelegenheit, einen Waffenstillstand auszuhandeln.“ Ungläubiges Staunen. 

„Der sächsische Chefsappe hat nämlich am 5. Februar im Vogtland öffentlich erklärt, dass es nun genug Rotmilane gäbe und man gewissen Zeitgenossen endlich ihre rechtlichen Instrumente, diese gefräßigen Ungeheuer weiter zu hätscheln, aus der Hand schlagen müsse - um Planungen zu beschleunigen.“ Das Auditorium konnte den komplizierten Ausführungen zwar nicht ganz folgen, verstand aber zumindest, dass es hier gegen den Rotmilan, einen gefürchteten Angreifer aus der Luft, ging. 

„Liebes Volk! Der Feind unserer Feinde ist unser Freund!!!“

Beifälliges Füßescharren tönte durchs Gewölbe.
„Wir sollten diese überaus rättliche Initiative des Chefsappen honorieren und ihm Mut machen, auch andere Obersappen von dieser Strategie zu überzeugen. Ich schlage deshalb vor, ihm den Titel „Ehrenratte des Jahres 2019“ zu verleihen. Wer dafür ist, den bitte ich um das Schwanzzeigen.“

Augenblicklich zuckten tausende rosa Schwänzchen in die Luft und zitterten vor Erregung.

„Danke. Damit ist die Ehrung beschlossen.“ Die Versammlung wurde aufgelöst, das Publikum zerstreute sich und ging wieder an die Arbeit.

Leider weiß der sächsische Chefsappe bis heute nicht, dass er zur Ehrenratte des Jahres ernannt wurde, denn der Emissär, der ihm die Urkunde überbringen sollte, wurde auf dem Carolaplatz von einer schwarzen Limousine plattgefahren.

Schade.

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