Wo bleibt der elektrifizierte Fernverkehr?

Dampflok auf einem elektrifiziertem Teilabschnitt der Sachsen-Franken-Magistrale bei Plauen Soll das die Lösung sein?  (© Andreas Röhr)

Die direkte Bahnverbindung von Leipzig über Plauen nach Hof ließ sich das Königreich Sachsen einiges kosten. Immerhin mussten dafür die beiden größten Ziegelsteinbrücken der Welt gebaut und finanziert werden. Das ist nun etwa 170 Jahre her. Von der Baugenehmigung bis zur Inbetriebnahme brauchte das Riesenprojekt lediglich 11 Jahre - unvorstellbar für heutige Zeiten.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Strecke Teil einer der leistungsfähigsten Bahnverbindungen Deutschlands, ehe im April 1945 die Sprengung der Elstertalbrücke durch die deutsche Wehrmacht dem eine Ende setzte.
Nach dem Krieg wurde die Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Reichenbach durch die DDR-Reichsbahn vorangetrieben und 1963 abgeschlossen. 50 Jahre und eine Wende später stand auch das letzte Teilstück bis Hof unter Strom. Etwa gleichzeitig war der unterirdische Anschluss des Bayerischen Bahnhofs an den Hauptbahnhof in Leipzig  - ebenfalls elektrifiziert - für den Preis von knapp 1 Mrd. Euro fertiggestellt worden. In Verbindung mit der Sanierung der doppelgleisigen Strecke und deren Ausbau für höhere Geschwindigkeiten steht damit eine leistungsfähige Bahn-Infrastruktur für den Fernverkehr zur Verfügung.

Aber: Alles für die Katz. Fernverkehr im Vogtland gibt es nicht mehr. Warum ist das so?

Ein löchriges Netz

Das Schienennetz der Bahn im Dreieck Chemnitz-Nürnberg-Erfurt hat große Lücken in der Elektrifizierung Das Schienennetz der Deutschen Bahn im Dreieck Chemnitz-Nürnberg-Erfurt  (© Andreas Röhr / DB Netz AG)

Ein Blick auf die Schienenverkehrskarte sagt alles. Das Netz der elektrifizierten Strecken (rot) ist löchrig. Wer von Chemnitz bzw. Plauen nach Erfurt oder Nürnberg mit Ökostrom Bahn fahren will, bleibt unterwegs auf jeden Fall irgendwo stecken. Nach Tschechien ist es sowieso aussichtslos. Immerhin kann man bequem und im Stundentakt zwischen Hof und Dresden hin und her fahren, was auch lebhaft genutzt wird.
Hätten die Verkehrsminister der Neuzeit auch nur annähernd soviel Tatkraft wie der sächsische König anno dunnemals, wäre aus dem Flickenteppich längst ein Netz geworden, welches den Namen auch wirklich verdient.
Wann also wächst endlich zusammen, was zusammengehört?

Warum Dieselbusse?

Die "Bierelektrische", ein Straßenbahnwagen als rollende Gaststätte, am Tunnel in Plauen Bier ist gesünder als Diesel.  (© Andreas Röhr)

Seit 2007 werden im Abendverkehr die Plauener Straßenbahnlinien mit dieselbetriebenen Bussen bedient. Dafür werden Kostengründe angeführt, weil die Fahrgastzahlen zu gering seien.

Das kann man hinterfragen. Die Gleise liegen, der Wagenpark ist vorhanden, Strom steht zur Verfügung. Warum muss man zusätzliche Busse anschaffen und unter der Oberleitung fahren lassen? Ob der Fahrzeugführer ein Busfahrer oder ein Straßenbahnfahrer ist, sollte doch kostenseitig nicht relevant sein.

Über alle Kanäle wird Elektromobilität gepredigt - und dort, wo entsprechende Voraussetzungen bereits gegeben sind, bleiben sie ungenutzt und es werden stattdessen Verbrennungsmotoren eingesetzt. Wie will man auf diese Weise die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens erreichen?

Grundsätzlich ist der Einsatz von Bussen zur Erweiterung des Straßenbahnnetzes zu begrüßen. Spätestens zum nächsten Gernerationswechsel der Fahrzeugflotte sollte man aber über Alternativen zu den lärmenden Rußschleudern nachdenken. Technisch erprobte Lösungen gibt es bereits.
Schon mal was von HO-Bussen gehört? - Nein, mit einer mobilen Form des sozialistischen Einzelhandels selig hat das nichts zu tun. HO-Busse sind Hybrid-Oberleitungsbusse. Unter dem Fahrdraht der Straßenbahn fahren sie mit Stromabnehmer und laden gleichzeitig ihre Akkus auf. Ist der Draht zu Ende, fahren sie mit der Batterie weiter.
In Esslingen und Solingen sind sie bereits unterwegs. Es gibt sogar schon eine Studie des BMVI zu den Potentialen solch einer Lösung im Stadtverkehr. Und das bei diesem Verkehrsminister!

Sprünge am Gummiseil

Alle Versuche, voranzukommen, sind nur Sprünge am Gummiseil.
(Eine in der DDR beliebte Redewendung.)


So ähnlich mag es den Repräsentanten des  Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes bei ihrem Streben nach einer Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale auch vorkommen.

"Die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale mit Abzweig Eger und Bayreuth ist für die Regionen Oberfranken,
Karlsbad und Südwestsachsen eine äußerst wichtige Modernisierung einer unzureichenden und vernachlässigten
Verkehrsinfrastruktur."

Mit diesen Worten wird der 16-seitige Appell eines Bündnisses eingeleitet, welches einen Wirtschaftsraum mit etwa 3 Millionen Menschen repräsentiert. Das Papier stammt aus dem Jahre 2013 und kann hier heruntergeladen werden.
Was hat der Aufruf bewirkt? Nun, das Vorhaben bleibt - wie seit Jahren - "vordringlicher Bedarf". Nunmehr im Bundesverkehrswegeplan 2030.

Immerhin!

Und wenn sie nicht gestorben sind, so planen sie noch heute.