Getrenntes verbinden

Luftaufnahme des Grünen Bandes Grünes Bandes zwischen Thüringen und Bayern, bei Föritz-Mupperg Luftbild des Grünen Bandes am Müßgraben zwischen Thüringen und Bayern  (© Klaus Leidorf / Wikipedia / CC)

Einst hatte der innerdeutsche Grenzstreifen die Funktion, die beiden Fronten des weltweiten Kalten Krieges voneinander zu trennen. Seit 1990 entwickelt er sich mehr und mehr zu einem verbindenden Element - und zwar für die bedrohte Natur.

Neben den Initiatoren des BUND Naturschutz Bayern, darunter Kai Frobel, engagierte sich im sächsischen Bereich unmittelbar nach der Wiedervereinigung besonders der NABU-Regionalverband Elstertal unter Leitung von Hellmut Naderer für den Erhalt des ehemaligen Grenzstreifens als Naturschutzgebiet - mit Erfolg.

Nach vorläufiger Sicherung 1990 und vielfältigen Bemühungen der Naturschutzbehörden gemeinsam mit ehrenamtlichen Naturschützern in den Folgejahren wurde der gesamte sächsische Abschnitt des Grünen Bandes 2011 endgültig zum Schutzgebiet deklariert. Im Jahr 2000 sind 260 ha und in 2010 noch einmal 180 ha bundeseigener Fläche in den Besitz des Vogtlandkreises übergegangen. Damit liegt das längste zusammenhängende Stück des gesamten Grünen Bandes bei uns im Vogtland und steht als FFH/SPA-Gebiet „Grünes Band Sachsen/Bayern“ unter europäischem Schutz. Eine Übersichtskarte des Gebietes kann man sich hier herunterladen.
Der Naturfotograf Andreas Kieling ist das Grüne Band abgewandert und hat eine sehenswerte Dokumentation darüber veröffentlicht.

Vorläufiger Höhepunkt in der Erfolgsgeschichte des Grünen Bandes war 2020 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Kai Frobel, nachdem bereits 2017 die Initiatoren und Förderer des Projektes Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden waren.

Alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Keineswegs.

Der intakte Flächenverbund im weiteren Verlauf des ehemaligen Grenzstreifens Richtung Norden ist nach wie vor ein drängendes Thema. Groß sind die Lücken, die Wiedereinrichter und Straßenbauer in den Korridor geschnitten haben. Viel Ausdauer, Überzeugungskraft und Geld wird benötigt, sie zu schließen. Dazu kommt: Kommunen sehen sich in prekärer Haushaltslage gezwungen, ihren Anteil am Grünen Band an private Investoren zu verkaufen. Hier muss der BUND einspringen! Daran beteiligen sich auch BUND-Mitglieder aus dem Vogtland mit Geldspenden, dem Verschenken symbolischer Anteile  oder der  Übernahme von Patenschaften - und jeder kann mitmachen.

Problematisch erscheinen überdies die Errichtung von Windparks unmittelbar neben dem Schutzgebiet, wie sie im Landkreis Hof erfolgte, und die Trassenführung des geplanten SuedOstLink, die das Grüne Band zerschneiden wird.

Aber auch sonst - und direkt vor unserer Haustür - gibt es noch viel zu tun. Es gilt, bestehende Naturschutzinseln mit dem Grünen Band und mit dem ähnlich ambitionierten Projekt "Rettungsnetz Wildkatze" zu verknüpfen. Für alle, die sich intensiver mit dem Thema Biotopvernetzung befassen wollen: Der BUND hat ein "Handbuch Biotopverbund" veröffentlicht, welches komplett (278 MB) oder als Vorschau (1 MB) zum Herunterladen bereitsteht.

Lesenswert!

Weiß eigentlich noch jemand, wie die innerdeutsche Grenze gegliedert und abgesichert war? Sperrzone, Kolonnenweg, Spurensicherungsstreifen, Kfz-Sperrgraben, Minen usw.? Diese "Grundlage" des Grünen Bandes ist in ihrem Werdegang sehr anschaulich in der Publikation "Spurensuche am Grünen Band" beschrieben, welche zum kostenlosen Download beim BUND erhältlich ist.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Band allein reicht nicht

Erfreuliche Nachricht: Das Grüne Band Sachsen soll zum Nationalen Naturmonument erklärt werden!

Aber wir wollen mehr. Deshalb haben wir zur Landesdelegiertenversammlung des BUND-Landesverbandes Sachsen 2020 einen erweiterten Antrag eingebracht, der leider keine Mehrheit gefunden hat. Wer ihn trotzdem lesen möchte, kann ihn sich hier herunterladen.