Regionalgruppe Vogtland

XII. Vogtländisches Baumseminar: Bäume und Klima

24. November 2019 | Klimawandel, Wälder

Am 23.11.2019 fand im Pfaffengut Plauen das 12. Vogtländische Baumseminar statt. Zu Gast waren als Referenten Dr. Johannes Franke vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie der Leiter des Forstbezirkes Plauen, Herr Bert Schmieder. Es moderierte Dr. Wolfgang Viebahn vom Landesverband Sächsischer Heimatschutz – Regionalgruppe Vogtland.

Vortrag von Dr. Johannes Franke  (© Beate Groh)

Zunächst machte Dr. Franke sehr fundierte Aussagen zum Thema Klimawandel.
Anhand von umfangreichen Wetteraufzeichnungen seit dem Jahr 1881 stellte er die Veränderung des Klimas dar. Es lässt sich eindeutig nachweisen, dass die Temperaturen sich tendenziell erhöhen, dass die warmen Jahreszeiten zunehmen und die kalten Jahreszeiten sich verkürzen. Doch auch die Temperatursprünge werden größer. Durch die höheren Temperaturen wird wesentlich mehr Wasser  in der Atmosphäre gebunden und damit die Wolkenbildung verzögert. Somit fallen die Niederschläge seltener, dafür aber heftiger aus.  Das Jahr 2018 war das zweit-niederschlagsärmste  Jahr seit den Aufzeichnungen  von 1881. Man kann davon ausgehen, dass künftig das Jahr 2018 als ein „normales Jahr“ gilt, wenn die Erderwärmung im jetzigen Tempo weiter voranschreitet.
Es regnet nicht mehr so häufig – dafür aber viel intensiver.  Die Niederschläge in 2019 konnten den Negativwert aus 2018 nicht ausgleichen. Zwar konnte das Defizit an der Erdoberfläche verringert werden, aber die Feuchtigkeit ist nicht in die Tiefe vorgedrungen.
Durch die Trockenheit entstehen erhebliche Risiken für das System Boden-Pflanze-Atmosphäre, auch Starkregenfälle  beeinflussen das System. Eine große Herausforderung besteht darin, einen entsprechenden Wasserrückhalt in der Landschaft ist zu organisieren. Es  muss genügend Feuchte im Boden vorhanden sein, damit Pflanzen gedeihen können. Es muss stets ausreichend Brauch- und Trinkwasser zur Verfügung stehen. Starkregen muss möglichst vom Boden aufgenommen werden können, um schwere Überschwemmungen zu vermeiden.
Ein nutzungsübergreifendes Flächenmanagement ist daher erforderlich:  Flächen dürften nicht mehr nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden, sondern auch hinsichtlich ihrer Klimaeigenschaft und Klimafunktion. Doch diese klimatologische Flächenbewertung muss erst noch aufgebaut werden.


Herr Bert Schmieder vom Staatsbetrieb Sachsenforst  sprach anschließend über die Sorge um den Wald.
Durch den Klimawandel kommt es zu geänderten Vegetationszeiten und zu Standortveränderungen.  Schadinsekten – wie zum Beispiel der Borkenkäfer – können sich im Laufe eines Jahres häufiger vermehren, neue Schädlinge treten auf.  Immer häufiger kommt es zu Sturmschäden: 2008 Kyrill, 2017 Herwart, 2018 Friederike und Fabienne, 2019 Eberhardt.
Innerhalb der letzten 2 Jahre kam es so zu 6,2 Mio. Kubikmeter Schadholz in Sachsen. 1,2 Mio. Kubikmeter Holz wäre die normale Größenordnung bezüglich der Ernte von Nutzholz. Die Folge hieraus ist, dass die Holzpreise sinken, weniger Einnahmen für Waldumbau-Maßnahmen zur Verfügung stehen,  die Eigentümer (auch Kommunen) weniger Einnahmen aus ihrem Wald erzielen, dass aber Aufwendungen für die Sicherheit / Verkehrssicherheit steigen. Es handelt sich aktuell nicht mehr um eine planbare Waldbewirtschaftung, sondern  um eine Katastrophen-Holzwirtschaft.
Auf geänderte Bedingungen muss reagiert, unter Beachtung der klimatischen und geologischen Bedingungen muss der Wald umgebaut werden. Je nachdem, was mit dem Wald erzielt werden soll, gibt es verschiedenen Waldentwicklungs-Typen. Ziel für das Vogtland sind Buchen- und Eichenmischwälder. Der Sachsenforst berät auch Privatbesitzer gerne hinsichtlich ihrer Ziele bei der Waldumgestaltung.

Bei der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau läuft das Projekt Stadtgrün 2021  „Neue Bäume braucht das Land“. Die Ausarbeitungen von Dr. Sabine Böll zu diesem Thema hat nach der Mittagspause Beate Groh vom Pfaffengut präsentiert.
Bäume tragen erheblich zur Verbesserung des Stadtklimas bei. Sie nehmen Kohlendioxid auf, produzieren Sauerstoff, Wasser verdunstet über deren Oberfläche, sie spenden Schatten, reduzieren den Feinstaubgehalt der Luft, tragen zur Lärmminderung bei und  verringern Windgeschwindigkeiten. Sie bieten Lebensraum für andere und sehr nützliche Pflanzen und Tiere.  Jedoch leiden viele traditionelle Stadtbaumarten unter den Folgen des Klimawandels. Es galt daher zu erforschen, ob es ausländische Baumarten gibt, die diesem Prozess standhalten können.              
An drei Standorten in Bayern wurden zahlreiche Versuchsbäume gepflanzt; es wurde ausgewertet, wie diese Bäume mit unterschiedlichen Bedingungen, wie zum Beispiel Trockenheit, Frost und Salz  zurecht kommen.     
Ein Versuchsstandort war Hof. Aufgrund der geographischen Lage kann man davon ausgehen, dass die für Hof geeigneten Baumarten sicherlich auch für unser Vogtland geeignet sind. Zu diesen Baumarten zählen u.a.: Kobushi-Magnolie, Blumenesche, Rotesche, Amberbaum und Purpurerle. Bewährt haben sich zudem Mischpflanzungen und Pflanzstreifen anstelle von Pflanzlöchern.
Es zeigte sich, dass es durchaus auch fremdländische Baumarten gibt, mit deren Anpflanzung wir unseren städtischen Lebensraum nachhaltig verbessern können. Eine ausführliche Darstellung des Forschungsprojektes kann man hier nachlesen.

 

Karin Schubert

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