Atlas der Schutzgebiete im Vogtlandkreis
Es gibt zahlreiche Kategorien von Schutzgebieten. Welche das sind, wozu sie eingerichtet wurden, was es dort Besonderes zu sehen gibt und wo man sie im Vogtland finden kann, wird hier gezeigt.
Naturschutzgebiet "Großer Weidenteich"
(© Andreas Röhr)
Schutzgebiete sind dringend erforderlich, um wenigstens Reste ursprünglichen Lebens vor einer Zivilisierung durch die bislang erfolgreichste invasive Art der biologischen Evolution, Homo sapiens, zu bewahren.
Die mit einem Schutzstatus verbundenen Einschränkungen und Benimm-Regeln gefallen zwar nicht jedem. Aber sie sind ein Beitrag zum Erhalt von Mannigfaltigkeit und Schönheit der Natur, an der sich zahlreiche Menschen erfreuen können. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik. Intakte Natur und reiche biologische Vielfalt sind unabdingbare Lebensgrundlagen für uns alle.
Das Vogtland mit seiner abwechslungsreichen Geografie verfügt über zahleiche erhaltenswerte Lebensräume und liefert damit die Grundlage für eine Vielzahl von Gebieten mit darauf zugeschnittenem Schutzgrad und jeweils eigenen Schutzzielen.
Das Spektrum reicht von großräumigen Erholungslandschaften, wie dem Naturpark Erzgebirge-Vogtland, über Landschafts- und Naturschutzgebiete bis hin zum einzelnen Naturdenkmal.
Manche Schutzverordnungen sind schon recht alt. Die Vogelfreistätte Burgteich z. B. wurde bereits 1939 unter Schutz gestellt. Große Schutzgebiete, meist entlang der Fließgewässer, entstanden als Folge der FFH- und Vogelschutzrichtlinien im Rahmen der europäischen Initiative „Natura 2000“ unter teils heftigen Geburtswehen zwischen 2006 und 2012. Auch das größte und jüngste Naturschutzgebiet im Vogtlandkreis, das NSG „Elstersteilhänge“, für dessen Einrichtung wir uns als BUND-Regionalgruppe gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden über Jahre hinweg aktiv engagiert hatten, wurde erst 2021 verordnet.
Jedes Schutzgebiet ist auf seine Weise einzigartig. Den Charakter der Landschaftsschutzgebiete des mittelvogtländischen Kuppenlandes zum Beispiel bestimmen Waldinseln auf Diabaspöhlen inmitten bäuerlich genutzten Offenlandes und tief eingeschnittener Täler, während das LSG „Oberes Vogtland“ von ausgedehnten Nadelwäldern geprägt ist, die auf dem uralten Schiefer- und Granitgestein der höheren Lagen stocken. Ganz im Osten findet man mit dem „Großen Kranichsee“ eines der letzten und bedeutendsten Hochmoore Sachsens, während das Naturschutzgebiet „Großer Weidenteich“ eher den Eindruck einer mediterranen Heidelandschaft vermittelt. Im kleinen NSG „Dreibächel“ kann man Sachsens ältesten Fichtenforst durchwandern und am Flächennaturdenkmal „Orchideenwiese Raun“ gleich neben der Straße blühendes Knabenkraut bewundern.
Selbst die kleinsten Schutzgüter haben oft eine interessante Geschichte. So mag sich vielleicht mancher fragen, warum die Bewohner der Röntgenstraße in Plauen (gegenüber der Blutspendezentrale) das Zuwachsen ihrer Fensterfront mit Pappeln erdulden müssen.
Das sind jedoch gar keine Pappeln, sondern es handelt sich hier um den „Geschützten Landschaftsbestandteil Pyramideneichen“. Diese schlanken Eichen sind späte Nachfahren eines einzigen Baumes aus Hessen, nämlich der „Schönen Eiche“. Diese Urmutter aller Pyramideneichen, wahrscheinlich durch eine Mutation entstanden, wächst in der Nähe von Babenhausen. Sie wurde 2022 zum Nationalerbe-Baum erkoren, hat in ihrer mehr als 580jährigen Existenz allerhand Seltsames erlebt und mit ihren Reisern zahlreiche fürstliche Parks in ganz Mitteleuropa veredelt. Wenn man das weiß, kann man vielleicht auch verstehen, warum die Bäume an der Röntgenstraße einen solchen Schutzstatus genießen.
Es ist nicht leicht, sich in der kryptischen Welt von LSG, NSG, FFH, PSA, FND, ND und GLB zurechtzufinden. Wer sich jedoch näher dafür interessiert und insbesondere wissen möchte, wo sich diese ganzen Schutzgebiete im Vogtland befinden, für den ist das Geoportal des Vogtlandkreises eine große Hilfe. Hier sind all diese Naturschätze mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet. Man kann sich bis auf zehn Meter in das Gebiet hineinzoomen und mit Klick auf ein Naturschutzobjekt dessen Bezeichnung und einen Verweis auf die zugehörige Verordnung anzeigen lassen.
Dieser Atlas der Schutzgebiete wurde uns dankenswerterweise vom Amt für Kataster und Geoinformation des Vogtlandkreises für die Integration in unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Neben den per Verordnung ausgewiesenen Schutzgebieten gibt es bestimmte Lebensräume, die allein wegen der darin vorkommenden Arten gesetzlich geschützt sind. Eine erhebliche Beeinträchtigung oder gar Zerstörung dieser Biotope ist nicht gestattet. Nur im Ausnahmefall und auch nur dann, wenn adäquate Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden, darf davon auf Antrag abgewichen werden.
Diese Biotope werden für den Vogtlandkreis in einer eigenen Karte dargestellt. Hier ist jedoch zu beachten, dass derartige Schutzgebiete keine statisch festgelegten, scharf umgrenzten Flächen sind, sondern sich verändern können. Sie können sich durch natürliche Prozesse ausdehnen, durch bestimmte Nutzungen neu entstehen, aber auch vergehen. Der Bestand muss daher immer wieder aktualisiert werden.
Mehr als 6000 solcher Lebensräume sind im Rahmen einer Biotopkartierung bisher erfasst worden!
Biotopdatenblatt anzeigen
(© Vogtlandkreis)
Plant man eine Baumaßnahme, ist man gut beraten, wenn man weiß, wo sich geschützte Biotope befinden.
Aber auch für naturinteressierte Menschen sind diese Informationen wertvoll, denn zu fast allen hier verzeichneten Biotopen kann man sich per Mausklick auf die grün markierte Fläche ein Biotopdatenblatt mit der Beschreibung des Lebensraumes und einer Liste der darin vorkommenden Pflanzenarten anzeigen lassen.
Ein Beispiel: Stößt man beim virtuellen Spaziergang über diese Karte in Kleingera (nahe Elsterbergs) auf das Biotop der Streuobstwiese am Küchenteich, so kann man in der Artenliste des Biotopdatenblattes auch den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) entdecken. Man könnte dies zum Anlass nehmen, die Wiese im Sommer einmal aufzusuchen, um dort nach dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling Ausschau zu halten. Laut einer Verbreitungskarte des BfN könnte er dort vorkommen. Dieser eher unscheinbare Schmetterling ist europaweit geschützt und macht von der Eiablage bis zum fertigen Falter eine so faszinierende Entwicklung durch, dass man es fast nicht glauben mag. Daran kann man aber auch sehr gut das komplizierte und empfindliche Zusammenspiel verschiedener Arten in der Natur studieren. Und daraus beispielsweise Rückschlüsse ziehen, wann diese Wiese gemäht werden sollte - und wann lieber nicht.
Hier also die Biotop-Karte zum Stöbern: