Endlich wieder Wildkatzen im Vogtland nachgewiesen!

27. August 2025 | Wildkatze

Zum Dialogforum „Wildkatzenwälder von morgen“ am 25.08.2025 im Plauener Pfaffengut wurde buchstäblich die Katze aus dem Sack gelassen: Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung von Haarproben haben zweifelsfrei das Vorkommen von Wildkatzen im Vogtland bestätigt!

Eine Waldlichtung mit einem roten Pfeil, der auf ein in den Waldboden eingeschlagenes Vierkantholz zeigt Lockstock im Wildkatzenwald  (© Andreas Röhr)

Seit dem Winter 2022 haben sich jedes Jahr Freiwillige daran versucht, mögliche Einwanderungen von Wildkatzen ins Vogtland mittels Lockstockmethode nachzuweisen – zunächst ohne Erfolg.

Wurden in den ersten Jahren drei Lockstöcke im Bereich des Eisenberges bei Jocketa und jeweils zwei im nördlichen und südlichen Vogtland gesetzt, erweiterte sich der Suchraum im Winter 2025 auf 16 Lockstöcke entlang der thüringisch-sächsischen Grenze von Zeulenroda bis Elsterberg.

Die Lockstöcke, halbmeterlange Vierkanthölzer mit angerauter Oberfläche, werden an geeigneten Stellen in den Waldboden eingeschlagen, abgeflammt und mit Baldriantinktur besprüht. Der Geruch lockt vor allem während der Ranzzeit im Spätwinter Wildkatzen an, welche sich an den Stöcken reiben, um eigene Duftmarken zu hinterlassen. Zurückgelassen werden dabei aber auch Haare aus dem Winterpelz der Tiere. Diese müssen bei einer Kontrolle entdeckt und abgesammelt werden. Dabei ist große Achtsamkeit erforderlich, um nichts zu übersehen und auch keine genetischen Verunreinigungen einzubringen – Gummihandschuhe, Lupe, Taschenlampe und Pinzette sind obligatorisch. Wenn Haarproben gefunden werden, müssen diese sorgfältig geborgen und im Senckenberg-Institut Gelnhausen genetisch analysiert werden. Damit kann die Art des Tieres, das Geschlecht und selbst das Individuum identifiziert werden. Auf diese Weise ist man sogar in der Lage, die Wanderungsbewegung einzelner Tiere nachzuvollziehen.

Auf unserem Foto ist ein Lockstock im Wald bei Pöllwitz versteckt. Das Habitat entspricht in vielen Einzelheiten den Bedürfnissen einer Wildkatze: Mischwald in unterschiedlichen Altersstufen, eine freie Lichtung zum Beutefang, allerhand Totholz, junge Dickungen und umgekippte Wurzelteller als Versteckmöglichkeit für den Nachwuchs. So stellt man sich die Wildkatzenwälder von morgen vor. Auch einige wassergefüllte Schlenken und ein kleines Bächlein tragen hier zur biologischen Vielfalt bei.

Es ist durchaus sportlich, von Ende Januar bis Anfang April in jeder Woche 16 Lockstöcke, die auf über 30 km Länge irgendwo im Wald verteilt sind, wiederzufinden, zu kontrollieren und neu zu präparieren. Schneefall und Regenwetter muss man genauso aushalten wie die Enttäuschung durch das in der Regel negative Kontrollergebnis - das erfordert schon viel Enthusiasmus. Gut, dass es doch einige Vogtländerinnen und Vogtländer gibt, die sich das immer wieder zumuten!

Dass nun in diesem Bereich zwei Wildkatzen (ein Kuder und erfreulicherweise auch ein Weibchen) nachgewiesen werden konnten, ist Grund zum Jubeln und Lohn aller Mühen. Sogar der Mitteldeutsche Rundfunk hat diesem Erfolg einen Beitrag gewidmet.
Also werden wir, frisch motiviert, auch 2026 wieder mit Detektivausrüstung, Baldrian-Sprühflasche und Lötlampe an der Grenze zwischen Sachsen und Thüringen unterwegs sein und den hochwillkommenen Flüchtlingen der Art Felis silvestris nachspüren.
Wer dabei gerne mitmachen möchte, ist herzlich willkommen! Bitte einfach melden.

Weitere Informationen zum Projekt "Wildkatzenwälder von morgen" findet man auf der Homepage des BUND-Landesverbandes Sachsen.

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