"Endlich(e) Vielfalt": Die vergängliche Schönheit der Natur in unserer Heimat

04. Februar 2026

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! - Diesem Zitat frei nach Goethe konnten wohl alle Zuschauer am Ende einer zweistündigen Filmvorführung ehrlichen Herzens zustimmen.

Auf der Bühne stehen zwei Männer und eine Frau und diskutieren mit dem Publikum Im Gespräch mit dem Publikum (v. l.): Andreas Winkler (Filmemacher), Stefanie Tanzmann (BUND), Berthold Löckelt (NABU)  (© Dorit Glomb)

Den Besuchern der gut gefüllten Malzhausgalerie präsentierte Andreas Winkler seine Naturdokumentation “Endlich(e) Vielfalt”, die mit wunderschönen Bildern bezauberte. Zudem kamen darin namhafte Persönlichkeiten aus einem breiten Spektrum der Gesellschaft zu Wort: Naturschützer, Neurowissenschaftler, Landwirte, Dichter…
Trotz der farbenfrohen, gestochen scharfen Nahaufnahmen heimischer Tiere und Pflanzen lag ein Hauch von Melancholie über den Zuschauerreihen. Denn der ganze Film sprach von Abschied.
Die vielfältigen Lebensformen, die sich im Offenland des Westerzgebirges unter den Bedingungen der traditionell kleinteiligen Landwirtschaft entwickelt hatten, verschwinden nach und nach. Monokulturen und Agrarchemie schaffen Umweltbedingungen, unter denen sie nicht mehr existieren können. Blütenreiche Bergwiesen, Feldhecken, Kleingewässer und Brachen weichen monotonen Ackerflächen und intensiv bewirtschaftetem Grünland. Zurück in der Landschaft bleiben einige wenige “Inseln der Glückseligkeit”. Diverse Naturschutzprojekte zeigen zwar Wirkung, können das Artensterben aber insgesamt nicht aufhalten. Und so kommt es, dass Allerweltsarten wie Rebhuhn, Feldhase, Wachtel, Feldlerche oder Hamster inzwischen fast nur noch im Film zu sehen sind.
Was aber ebenfalls gezeigt wurde: Die Natur ist resilient und folgt ihren eigenen Gesetzen. Sie beherrschen zu können, ist Wunschdenken. Sich ihr anzupassen, wäre hingegen ein tragfähiges Konzept. Doch das müsste man wollen. Davon sind wir freilich noch weit entfernt - sowohl in der “großen Politik” als auch mehrheitlich als Individuen.
Wie schnell sich die Natur regenerieren und wieder ins Gleichgewicht zurückfinden kann, wurde im Film sehr eindrucksvoll von Thomas Vogel am Beispiel seines Biohofes in Erlbach-Kirchberg demonstriert. Kreislaufwirtschaft, extensive Weidehaltung, Strukturierung der Landschaft - das alles ist kein Hexenwerk. Aber es kann zu einer wesentlichen Bereicherung unserer Lebensqualität führen, auch wenn sich das nicht explizit anhand des Kontostandes messen lässt.

Es wäre nun ein Leichtes, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen und sie für die Misere verantwortlich zu machen. Davor sollten wir uns aber hüten und lieber an die eigene Nase fassen. Denn auch ein Landwirt muss von seiner Arbeit leben können. Wenn wir als Konsumenten jedoch nicht bereit sind, ihn für seine Produkte und seinen respektvollen Umgang mit der Natur ordentlich zu bezahlen (sei es direkt im Laden oder aus Steuermitteln über die Agrarförderung), wird sich an der gegenwärtigen Lage nichts ändern. - Soweit der Tenor der anschließenden Diskussion im Auditorium.

Den Dokumentarfilm hatte Andreas Winkler 2022 im Auftrag des NABU Aue-Schwarzenberg erstellt. Der Filmabend wurde gemeinsam mit dem NABU-Regionalverband Vogtland und dem Soziokulturellen Zentrum Malzhaus organisiert und von der Sparkasse Vogtland finanziell unterstützt. Wir bedanken uns herzlich beim Autor sowie allen Spendern und Helfern!

Zur Übersicht