Regionalgruppe Vogtland

Baumschutz adé? - Noch nicht!

09. Juni 2020

Wer Luftaufnahmen von Plauen betrachtet, dem fallen die vielen grünen Inseln auf, die sich auch innerhalb dichter Bebauung finden: Bäume in Hinterhöfen, in kleinen Parks, an Straßen und auf Wohngrundstücken. Nun sollte die Plauener Baumschutzsatzung zu Fall gebracht werden. Sie wankte - steht aber noch!

Was wäre eine Stadt ohne ihre Bäume?  (© Andreas Röhr)

Bäume erzeugen Sauerstoff, regulieren das Mikroklima, spenden Schatten und den Duft ihrer Blüten. Sie dämpfen Lärm, peppen tristes Grau auf und bieten zahlreichen Lebewesen Nahrung und Schutz. Aber: Sie sind auch gefährdet, leiden unter Klimastress, Bodenversiegelung und Schadstoffen. Deswegen müssen sie - je größer, desto dringender - geschützt und erhalten werden. Sagen die einen.

Bäume stören, werfen Laub und zuweilen Äste ab, belegen einen potentiellen PKW-Stellplatz, machen Arbeit und nehmen den Zimmern das Licht. Deswegen müssen sie weg. Sagen andere.

Um diesen Konflikt widerstreitender Interessen aufzulösen, gibt es das Instrument der Baumschutzsatzung. Sie soll darüber wachen, dass von Bäumen keine Gefahr ausgeht, dass sie das Leben in ihrem Umkreis nicht unzumutbar werden lassen - dass Bäume aber auch nicht willkürlich abgesägt werden dürfen, nur weil sie dieser oder jener Wunschvorstellung ihrer Besitzer im Wege stehen.

In den Jahren 2015-2019 konnten dadurch  in Plauen 138 Laubbäume mit einem Stammumfang von bis zu 3,20 Metern vor der Fällung bewahrt werden.

Die CDU hatte nun einen Antrag zur ersatzlosen Streichung der Satzung in den Stadtrat eingebracht, der vom Stadtbau- und Umweltausschuss am 16.03.2020 mehrheitlich befürwortet wurde. In der Begründung dieses Antrages heißt es:

"Andere Städte und Gemeinden im Vogtland haben ihre Baumschutzsatzungen schon vor Jahren abgeschafft, ohne negative Folgen für den Baumbestand. Es gibt keinen Grund der Plauener Bürgerschaft einem ebenso verantwortungsvollen Umgang mit den in ihrem Besitz befindlichen Gehölzen abzusprechen. Mit dem Entfall der Satzung würden 2 VZÄ an Personal entfallen, die sicher dringend an anderen Stellen der Verwaltung benötigt werden. Da die Satzungsanträge kostenfrei bearbeitet werden, kommt es zu keinen Einnahmeverlusten. Der Entfall der Satzung würde somit den Haushalt der Stadt Plauen um ca. 80.000 € jährlich entlasten, dem Zuwachs an Gehölzen in Plauen dienen und unseren Respekt vor der verantwortungsbewussten Bürgerschaft ausdrücken."

Wir sind da entschieden anderer Meinung!

Wir glauben nicht, dass eine Baumschutz-Satzung dem Zuwachs an Gehölzen schadet und obendrein keinerlei Schutzwirkung für vorhandene Gehölze hat. Wir glauben auch die Milchmädchenrechnung zur Einsparung von Haushaltsmitteln nicht, die um das dreifache zu hoch angesetzt ist und Einnahmen für Ausgleichsmaßnahmen komplett unter den Tisch fallen lässt. Wir glauben zudem nicht daran, dass in jedem einzelnen Fall der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur garantiert ist, denn dazu gibt es mehr als genug Gegenbeispiele.

Wovon wir jedoch überzeugt sind: Bäume und Großgehölze in der Stadt sind so wichtig und gleichzeitig so gefährdet, dass sie unbedingt gesetzlich geschützt werden müssen.

Die Baumschutz-Satzung muss in Kraft bleiben!

Wir haben unsere Überzeugung in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, die man sich hier herunterladen kann.

Die gute Nachricht: Zur Sitzung des Stadtrates am 09.06.2020 wurde der Antrag zur ersatzlosen Streichung der Plauener Baumschutzsatzung von der CDU-Fraktion zurückgezogen. Oberbürgermeister Oberdorfer sagte stattdessen eine Überarbeitung der Satzung zu. Jetzt wird es darauf ankommen, diese Überarbeitung im Sinne des Baumschutzes zu begleiten.

Engagement lohnt sich!

 

 

 

 

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